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Gedanken zum Thema:
Einheit der Kirche – Kirchentrennung - Ökumene

Absicht und Ziel dieses Textes ist es, ein Modell anzudenken, welches das Verhältnis von Kirche und Konfessionen zueinander und damit zugleich auch das der Konfessionen zueinander neu zu definieren versucht, um dadurch schon fast zur Tradition gewordene Engführungen oder Blockierungen im ökumenischen Gespräch umgehen oder gar aufheben zu können.

Der grundsätzliche Ausgangspunkt, die jeweilige Grundthese für die Erörterung dieses Themas beinhaltet zugleich auch eine Entscheidung für die Konsequenzen, die sich aus einem solchen Ansatz ergeben. Um andere Konsequenzen zu bekommen, bedarf es eines neuen Ansatzes.

1. Das traditionelle (Wiederherstellungs-)Modell:
Grundthese: Die Einheit der Kirche ist durch die historischen Spaltungen zerstört worden. Die unterschiedlichen Konfessionen sind Folge der Trennung. Um die Einheit wieder herzustellen, muss das sie Trennende wieder aufgehoben werden. Dies zu erreichen, ist die Aufgabe der Ökumene.

Folgende, uns wohl bekannte Fragen ergeben sich u.a. aus diesem Modell:
a. Welche der bestehenden „Kirchen“ ist „orthodox“, rechtgläubig (d.h. Wächterin der „wahren Lehre“)? z.B.: Anspruch der römisch-katholischen Kirche, die katholische (d.h. die weltumfassende) Kirche Jesu Christi zu repräsentieren (subsistit = in ihr besteht die eine Kirche Christi); sakramentales Kirchenverständnis => Monopol für Bezeichnung „katholisch“?!

 EXKURS: Kritische Anfrage an uns: Wie „katholisch“ fühlen wir Evangelischen uns? Wir sind mit demselben Recht „katholisch“ wie jede/r römische Katholik/in. Es ist auch unser Bekenntnis, wenn es im Credo heißt: „an die eine heilige katholische Kirche“. Keine Konfession hat das Recht, diesen Begriff „katholisch“ zu monopolisieren!
Wir sollten unser Kirchesein nicht aus einer uns von römisch-katholischer Sicht aufgedrängten Defizienz (= was wir ihrer Meinung nach nicht sind) heraus definieren, sondern uns voller Selbstbewusstsein in derselben Weise und mit demselben Recht wie sie als „katholische“ ChristInnen fühlen und bezeichnen.
Wer ist orthodox? Etwa die „orthodoxe“ Kirche, die sich gerade deshalb so nennt?
Wie verhält es sich mit der Rechtgläubigkeit der anderen „Kirchen“ (Konfessionen)?

b. Wie soll die „Wiedervereinigung“ aussehen? Etwa so wie die deutsche Wiedervereinigung, in der die eine in der anderen aufzugehen hat?!
c. Worauf muss die eine zu Gunsten einer Wiedervereinigung verzichten, was muss der andere aus diesem Grund („widerwillig“) anzunehmen bereit sein?
d. Wer ist berechtigt dazu festzustellen, ob diese „Einheit“ schon erreicht ist oder noch nicht (ganz)?



Kritische Rückfrage:
Gab es überhaupt je diese „einheitliche“ Kirche Jesu Christi, deren Einheit es heute „wieder herzustellen“ gilt?
 Das lukanisches Urgemeindeideal in Apg 4,32 war, wie wir mittlerweile wissen, eher Wunschvorstellung als Realität!
Weitere Argumente z.B. Rangstreitigkeiten bereits im Jüngerkreis Mk 10,35ff; Apostelkonzil in Apg 15: der Kompromiss zum theologischen Grundsatzthema „Beschneidung“; oder die unterschiedlichen Gruppierungen mit unterschiedlichen theologischen Prägungen unmittelbar seit Beginn des Urchristentums)

2. Eine Alternative: Das Komplementär-Modell:
Grundthese: Es gibt von ihrem Herrn und Wesen her nur die eine Kirche Jesu Christi. Die unterschiedlichen Konfessionen sind die (logischen, legitimen, notwendigen) Folgen dieser Einheit. Denn Kirche kann immer nur Gestalt gewinnen, indem sie sich in ihrem jeweiligen Kontext konkretisiert. Das heißt jedoch: Die unterschiedlichen Konfessionen haben unabhängig voneinander das Recht, so zu sein bzw. auch so zu bleiben, wie sie geworden sind. Ihre ökumenische Aufgabe besteht nicht darin, (wieder) eins zu werden, sondern eins zu sein (Joh 17,21), also in und trotz aller konfessionellen und innerkonfessionellen Unterschiede die wesensmäßige Einheit der Kirche Jesu Christi in gleichberechtigtem Miteinander und Füreinander zu leben.



Begründung:
Die eine (!) Kirche als „opus Dei“ (Werk Gottes und nicht als Werk der Menschen!) ist von Gott her ein für uns Menschen unveränderbares Faktum. (Gerade deshalb gibt es ja die Kirche allem menschlichen Wirken in ihr zum Trotz immer noch!!)

Bibl. Begründung dieses Modells: z.B. Eph 4,1-7; 1.Kor 12; Röm 12,4ff

- 1.Kor 12,27 => Kirche als Leib Christi: es gibt keinen römisch-katholischen oder evangelischen oder orthodoxen Leib Christi!
„Ihr seid der Leib Christi und jeder und jede von euch (auch die Konfessionen!) ist ein Glied an ihm.“  komplementäres gegen exklusives Kirchenverständnis
Konsequenz: Wer leugnet, die anderen Konfessionen zu brauchen, um miteinander Kirche zu sein, hört auf, „katholisch“ zu sein!

- Eph 4 => Betonung der Einheit: „Ein Geist, ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen“ – als die zentralen Einheitsmerkmale (wohlgemerkt bereits in frühchristlicher Tradition!) der einen Kirche Jesu Christi.
Mit welcher Berechtigung meinen wir (Konfessionen) heutzutage, uns mit diesen biblischen Merkmalen der Einheit nicht mehr zufrieden geben zu können?!

- Eph 4,2a: „In aller Demut, Sanftmut und Geduld“: stattdessen finden sich bei uns eher (konfessioneller) Hochmut (auch gut-evangelische Arroganz den römischen Katholiken gegenüber), Machtdemonstration und Intoleranz; genau die oben genannten „Tugenden“ gilt es, zwischen den Konfessionen zu praktizieren bzw. deren nachgenannten „Missbräuche“ auszuräumen!

- Eph 4,2b: „Ertragt einander in Liebe.“ =>Diese Aufforderung wäre sinnlos ohne (die vielleicht sogar schmerzlichen) Unterschiede innerhalb der einen Kirche.
Anfrage an uns: Wie liebevoll gehen wir innerkonfessionell und interkonfessionell mit MitchristInnen um, deren Glaube oder Bekenntnis sich von dem unsrigen unterscheidet?
(Fühlen wir uns so wenig geliebt, dass wir so lieblos miteinander umgehen?! Lieblosigkeit liegt nie in der Sache, sondern immer in uns begründet. Sie hat ihre Ursache in der Unfähigkeit, Liebe anzunehmen, oder in der Tatsache, nicht geliebt zu werden. Letzteres lässt sich zumindest von Gott her im Bezug auf uns ausschließen, denn: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, .... Joh 3,16 .)

- Die Aufforderung in Eph 4, 3 lautet übrigens nicht: „Stellt die verlorene Einheit wieder her!“, sonder: „Seid darauf bedacht zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens.“
Statt zur Wahrung der "Einigkeit im Geist" wurde in der Vergangenheit ökumenisch die theologische Potenz eher zur Verteidigung der „Einzigartigkeit des eigenen Geistes", sprich der eigenen Konfession, eingesetzt!



Zu den Stichworten „kontextuell“ und „konkret“:
Kirche ist von ihrem Zuspruch und von ihrem Anspruch her und aufgrund ihrer Geschichtlichkeit immer nur „kontextuelle“ Kirche ( übrigens auch in ihrer römisch-katholischen Gestalt, auch wenn durch das römische Primat die lokale Berechtigung zur Kontextualität faktisch bisher geleugnet worden ist!). Sie kann und darf sich nicht „uniform“ entwickeln, um je und je „konkret“ und „konkrete“ Kirche zu sein.
Dies bedeutet: Unterschiedliche kontextuelle Voraussetzung haben unterschiedlich konfessionelle Entwicklungen ("Konkretionen") der Kirche zur Folge (z.B. Verarbeitung und Einbeziehung eigener Geschichte, Traditionen, lokaler Riten und Bräuche, Mentalität etc.).
Um diese Entwicklungen zuzulassen bzw. anzuerkennen, bedarf es der Bereitschaft, die Angst vor „Synkretismus“ zu verlieren.
(Wir haben z.B. bei uns selbst im europäischen Christentum ja viel mehr davon, als wir anderen Völkern in der Mission vor allem des 19. und dann auch des20. Jhds. zuzugestehen bereit waren!).
Wo christliche Verkündigung auf nicht christliche Religiosität trifft, wird sie notwendigerweise „synkretistisch“, wenn nicht schon bei den Verkündigenden, so doch immer bei den Empfangenden, weil die neue Vorstellungswelt die Alte nie auslöschen (das zu beabsichtigen wäre lieblos und unmenschlich!), sondern vielmehr durch sie („den Griechen ein Grieche!") überhaupt erst aufgenommen werden kann, z.B. durch Neuinterpretation bereits vorhandener Bilder oder deren Verknüpfung mit neuen Vorstellungen und Inhalten. Dies führt dann konsequenterweise zur Entstehung wieder ganz neuer "Konfessionen", die häufig auf Grund der Abstammung von bestehenden oder der Subsumierung unter bereits bestehende Konfessionen von uns gar nicht mehr als solche wahrgenommen werden bzw. sich selbst gar nicht mehr als solche wahrnehmen (was ja auch gar nicht nötig ist!. Es geht hier vielmehr nur darum, auf das Phänomen der permanenten Konfessionsbildung hinzuweisen.) Diese Konfessionbildung ist jedoch deshalb so wichtig, weil sie die Voraussetzung schafft für eine echte Identifikation mit der einen Kirche, die Glauben und Zusammen-Leben im Glauben erst ermöglicht. Es gibt keine allgemeine oder „ökumenische“ Identität, sondern immer nur eine konfessionelle. Das bedeutet: Die Konfessionen sind nicht nur logische Folge der Einheit, sondern notwendige Voraussetzung für die Partizipation der Einzelnen an der einen Kirche Jesu Christi.

Demnach ergibt sich der Facettenreichtum der Konfessionen/Gestaltwerdungen und der Verkündigung dieser einen Kirche schon aus ihrem Wesen.



Diese Feststellung führt folgerichtig zu einem neuen Verständnis für die Unterschiede zwischen den Konfessionen:
a. z.B. die Herausentwicklung, unterschiedlicher Frömmigkeitsformen als Gehhilfen für den Glauben (= Krücken) verstehen zu lernen, mit deren Hilfe die Gläubigen leichteren oder tieferen Zugang zum Glauben finden können.
Diese „Glaubenskrücken“ dürfen/müssen unterschiedlich sein, weil wir ChristInnen unterschiedlich sind.
Dabei gilt aber eben auch: Was mich stützt, kann den anderen behindern. Gestehen wir uns doch gegenseitig unsere Gehhilfen zu – wir brauchen sie ja weder zu übernehmen noch zu rechtfertigen! - und achten wir zugleich in ökumenischer Verantwortung füreinander gemeinsam darauf, dass diese "Krücken" sich bei uns nicht verselbstständigen, also ihren „Hilfscharakter“ verlieren, weil sie unversehens plötzlich zum Glaubensinhalt selbst geworden sind (z.B. Marienfrömmigkeit, Bekehrungserlebnisse, bestimmte Glaubenslehren und Bekenntnissätze etc.).
Gerade weil wir innerkonfessionell für solche Fehlentwicklungen bei uns selbst unsere gelben Flecken haben, brauchen wir das Korrektiv, die inner- und interkonfessionelle geschwisterliche Infragestellung oder Rückfrage von außen, um uns wieder darauf besinnen zu können, was dem Glauben dient. Darin besteht so verstanden der inner- und interkonfessionelle Liebesdienst, zu dem wir füreinander aufgerufen sind als Bestandteile der einen Kirche Jesus Christi („Weist einander zurecht!“, siehe Paulus).
Vielleicht könnten wir dann auch erkennen, welche Krücken sich bei uns Evangelischen bereits verselbstständigt haben (was wir sehr schnell bereit sind, für uns abzulehnen!)
b. Wie, wenn wir konfessionelle Unterschiede als Gabe füreinander verstehen lernten? Als Anregung, Erinnerung, Ergänzung (eben auch im Sinne von „ein Leib und viele Glieder“, dass wir als Konfessionen miteinander und füreinander Glieder an dem einen Leib Christi sind?) (z.B. Taufkerze, Osternacht, Bibelarbeit, Krankensalbung etc.).
Ich kann ja auch dankbar sein dafür, dass andere in ihrem konfessionell bedingten Zeugendienst tun können, was mir vielleicht total fremd (geworden) ist oder gar widerstrebt; dass andere etwas bei sich bewahrt haben, was bei uns irgendwann verloren gegangen ist; dass andere ent-deckt haben, was uns bisher verborgen blieb.
Eine solche innere Einstellung zur Bereitschaft, sich gegenseitig als Bereicherung oder Ergänzung zu sehen, macht es ganz anders und ganz neu möglich, miteinander gerade in der Unterschiedlichkeit den Facettenreichtum der einen Kirche Jesu Christi zu leben und uns zugleich von ihm beleben zu lassen.
c. Wie wäre es, wen wir so vielleicht lernen könnten, uns als konfessionelle Gegenüber aus einem ganz neuen (aus Gottes?) Blickwinkel zu sehen, gnädiger, liebevoller, dankbarer, geschwisterlicher?
d. Wie ließe es sich vermeiden, von Kirche in der Mehrzahl zu reden?
Nach diesem Modell gibt es ja von Gott her nur die „eine Kirche“, aber eben viele Konfessionen.
Um das Anliegen verständlich zu machen: Die Symbolik unserer Sprache drückt immer zugleich auch unser Denken aus. Was wir denken, sucht sich sprachliche Zeichen. Wofür wir jedoch keine Zeichen entwickelt haben, das denken wir so auch nicht. (z.B. wer nur von den Brüdern spricht und behauptet, damit auch die Schwestern zu meinen, verrät damit die Tiefe seines eigentlichen Denkens!) Das heißt: Wenn wir von „den Kirchen“ reden, haben wir das wesensmäßig einheitliche Kirchenbild, von dem oben die Rede ist, gedanklich noch gar nicht in uns aufgenommen oder bereits aufgegeben und multiplizieren durch unsere Sprache zugleich nach außen ein ihm fundamental widersprechendes Kirchenbild, das dann wiederum das Denken der Öffentlichkeit im Bezug auf ihr Kirchenverständnis prägt. Damit produzieren bzw. bestärken wir durch unser Reden von „den Kirchen“ genau das Bild von Kirche, welches wir "um Gottes Willen" eigentlich aus der Welt schaffen sollten.
Es ist jedoch andererseits kaum möglich, eingeführte Begriffe, gerade wie den Begriff „Kirche“, zu ändern. Vielleicht wäre es zumindest hilfreich, bewusster Sprachformen zu entwickeln, die das gemeinsame Kirche-Sein zum Ausdruck bringen und den Gebrauch des Begriffs Kirche in der Mehrzahl vermeiden (z.B. statt Vertreter der Kirchen Vertreter, der evangelischen, römisch-katholischen, orthodoxen Kirche; statt von Kirchen von der Christenheit zu sprechen).
Wo dieses Denken ernst genommen wird und der ökumenischen Idee dienlich erscheint, werden derartige Sprachformen und die entsprechende Sprach-Sensibilität sich ganz gewiss mit der Zeit finden, entwickeln und schließlich auch durchsetzen. (oder als „uralter“ Ausweichbegriff eventuell: Kirchentümer statt „Kirchen“? – wohl eher kaum praktikabel).

Wichtig für dieses zweite Modell der einen Kirche Jesu Christi: In ihr geht es nicht um konfessionelle Vormacht, sondern bestenfalls um konfessionelle Vollmacht (= sich gegenseitig als von Gott in Jesus Christus Bevollmächtigte zu erkennen und anzuerkennen) zum Zeugnis füreinander (als legitime Gestalten der einen Kirche - = Ansatz für eine ökumenische Mission) und damit für den einen, dreieinigen Gott, der uns dazu berufen hat, in der Gemeinschaft der Konfessionen seine Kirche zu sein, geeint im Glauben an ihn allein durch ihn (Pneumatologie) und gerade dadurch zum Aushalten unserer Unterschiedlichkeit befähigt.

Zur „Gestaltwerdung“ (als anderes Wort für Konfession) von Kirche:
Kirche als Werk Gottes wird konkret, indem sie „gestaltet“ wird durch Menschen unter der unverfügbaren Mitwirkung des Heiligen Geistes, das heißt aber eben auch mit all dem, was zu diesen Menschen an Vermögen und Unvermögen dazugehört; deshalb ihre „gestaltmäßige“ Vielfalt; aber auch ihre „gestaltmäßige“ Begrenzt- und Fehlerhaftigkeit eben dort, wo das menschlich Gestaltete, wo also die jeweils konkrete Gestalt von Kirche dem Entwurf (Projekt) Gottes nicht entspricht.
Von daher ließe sich sogar dem Papst zustimmen, wenn er davon spricht, dass die Kirche nicht sündigen kann. Denn dies können nur ihre von Menschen geschaffenen und vertretenen „Gestalten“ bzw. die betreffenden Menschen selbst.
Immerhin: So lange Menschen leben, also menschliches Leben und Erleben sich je und je neu „konkretisiert“, wird diese eine Kirche Gottes in der Welt immer wieder aufs Neue „Gestalt“ gewinnen müssen; das Weiterentstehen und Sich-Weiterentwickeln von Konfessionen ist die Konsequenz gelebter und lebendiger Kirche, ob uns das nun so passt oder nicht.

Konsequenzen dieses alternativen Modells:
a. Es muss uns nicht mehr darum gehen, die „verlorene“ Einheit der Kirche wieder herzustellen durch die (niemals in für alle Beteil gten befriedigender und zugleich allen gerecht werdender Weise zu erreichende) Überwindung der Konfessionen, sondern darum, diese immer schon von ihrem Wesen her bestehende, unzerstörbare Einheit in der Unterschiedlichkeit der Konfessionen sich als Gleichberechtigte (gleichberechtigte Gestalten der einen Kirche Jesu Christi) gegenseitig anerkennend miteinander und füreinander zu leben.
b. Problem: Wie lässt sich in einem derart für die Konfessionenbildung offenen Modell aussagen, wo in ihm die „Rechtgläubigkeit“ aufhört und die „Irrlehre“ beginnt? Worin bestehen die Kriterien für eine Konfession als legitime Folge der Einheit, worin die Grenzen? Worin besteht die notwendige Identität mit der einen Kirche Jesu Christi als opus Dei?

Mögliche Ansatzpunkte:
• Die Einheitsmerkmale in Eph 4,2-6
• Das (gemeinsame) Abendmahl, in dem wir die die Grenzen von Ort und Zeit – auch die der Konfessionen! - überschreitende Gemeinschaft der daran Teilnehmenden, die Gemeinschaft mit unserem auferstandenen Herrn und die uns durch sein Kreuz verbürgte Vergebung (=Teilhabe am Bund und Reich Gottes = Teilhabe am Leib Christi) feiern. Konsequenz: Als Glieder am einen Leib können wir einander nicht von diesem Gemeinschaftsmahl ausschließen. Andere MitchristInnen ausschließende Mahlfeieren wider-sprechen kontradiktorisch dem Auftrag Jesu Christi und es muss überlegt werden, ob ihnen überhaupt noch die Qualität eines Abendmahles im Sinne des NT zugesprochen werden darf.
• Das Bekenntnis zum „kyrios Christos“, vielleicht in Kombination mit Joh 3,16
• Die drei altkirchlichen Bekenntnisse
• Die Bibel als Grundlage göttlicher Offenbarung
• Das Gebet als kollektiver und individueller Ausdruck der Gottesbeziehung
• Die Bedeutung der Ethik als „Glaube im Vollzug“ (Gottesdienst im Alltag)

Allgemeinere Gedanken dazu:
• Es sind nicht wir, sondern Gott selbst, der Konfessionen zu Kirche macht.
• Mk 3,31ff: Kirche ereignet sich dort, wo der Wille Gottes getan wird (ein möglicherweise revolutionäres Kirchenbild, das Kirche dort manifestiert, wo der Wille Gottes realisiert wird als Haltung oder Verhalten, gegebenenfalls sogar, ohne dass der betreffende Mensch diesen Willen Gottes kennt, das heißt, ohne vielleicht sogar selbst Christ/in zu sein!)

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