Pressespiegel
Orgelkonzert mit Volkmar Zehner Orgelkonzert mit Volkmar Zehner
Badische Zeitung vom 24.07.2010
Überlegt und ohne jede Mätzchen
Volkmar Zehner, in Emmendingen geboren, in Hamburg lebend, gab ein spannendes Orgelkonzert.
EMMENDINGEN. Wenn das
Thermometer noch am Abend mindestens 30 Grad Celsius anzeigt – soll man
dann in den Biergarten oder vielleicht doch ins Orgelkonzert gehen?
Einmal vorausgesetzt, dass mit Sommer nicht nur heiße Temperaturen,
sondern auch vielfältigste Farben assoziiert werden, kann die Antwort
durchaus heißen: Das Konzert mit Volkmar Zehner, Kreiskantor im
Kirchenbezirk Hamburg-Ost, ist angesagt. Zehner, der aus Emmendingen
stammt, spielte am (für einen Konzerttermin ungewöhnlichen) Mittwoch in
Ermmendingens Stadtkirche ein Programm mit Musik von Johann Sebastian
Bach, Felix Mendelssohn, Robert Schumann und César Franck – ein, um es
vorwegzunehmen, durchaus lohnenswerter Konzertbesuch.
Allein schon die unglaublichen, überaus vielfältigen Klangfarben der
Stadtkirchenorgel beeindruckten – leise, sehr zurückhaltende Töne
genauso wie tragendes, kräftiges Forte, mystisches, verhauchendes
Musizieren – alles war dabei.
Zehner eröffnete mit Bach: dem Präludium und der Fuge C-Dur (BWV 545).
Der Hamburger A-Musiker spielte, wenn man von der üppigen Registrierung
absieht, einen schönen, klaren, fast sachlichen Bach. Ein beliebtes,
wiederkehrendes Motiv der Konzertgestaltung ist der Choral "Aus tiefer
Not schrei’ ich zu dir": Zehner musizierte die entsprechende
Bachbearbeitung aus dem Teil III der "Clavierübung" und kombinierte sie
mit Mendelssohns dritter Orgelsonate. In deren Kopfsatz kehrt der Choral
auf eine sehr raffinierte Weise wieder – kombiniert mit einer
Doppelfuge. Kuriosität am Rande: Im ersten Satz steckt die
Hochzeitsmusik für Schwester Fanny, die Felix allerdings nicht
rechtzeitig fertig bekam und hier noch einmal verwendet hat. Der zweite
Satz, der sich bei Zehner merkwürdig kurz anhörte, gehört in seiner
schlichten Schönheit mit zur absoluten Hitliste des Rezensenten: Allein
diese wenigen Augenblicke sehr liedhafter, übrigens wunderbar
harmonisierter Musik rechtfertigen jeden Konzertbesuch.
Dann, passend zum Jahr, Robert Schumann: Seine vier Skizzen Opus 58 sind
alles andere als vorläufig, wie es das Wort suggeriert. Sie entstanden
ursprünglich für den Pedalflügel. Formal ähnlich in der menuetthaften
A-B-A-Form, sind es vier sehr unterschiedliche, sehr schöne Beispiele
für Schumanns Klangwelten, die ja nicht nur ausgesprochen intelligent,
sondern auch immer sehr liedhaft sind. Zehner gestaltete sie hier und da
vielleicht ein bisschen üppig, immer aber sehr musikalisch und
durchdacht, die Form bestens nachvollziehbar. Zweifellos einer der
Höhepunkte dieses Emmendinger Abends.
Dann noch einmal Bach: Präludium und Fuge a-Moll (BWV 543). So virtuos
insbesondere das eröffnende Präludium daherkam, so fiel auch die
"unbach’sche", sehr mächtige Registrierung auf. Zehner wählte diese
Musik sehr bewusst: Den Schlusspunkt des Konzerts bildete die laut
Zehner letzte Komposition von César Franck. Er sei überzeugt, so Zehner
zum Auftakt des Konzerts, dass Franck diesen Bach gekannt hat. Der
Organist hat gewiss Recht: Der Auftakt des Chorals Nr. 3 klingt wie eine
Paraphrase des Bach-Präludiums. Aber Franck paraphrasierte nicht
wirklich. Was er vorführt, ist eine virtuos aufgeladene, betörend schön
klingende Auseinandersetzung, ein unglaublich spannendes Werk.
Volkmar Zehner verstand es, seine Zuhörer in den Bann zu ziehen. Er
machte auf eine ausgesprochen intelligente Weise, hörbar gekonnt und
ohne Mätzchen Musik. Nicht nur einer seiner ersten Lehrer, Felix
Leimenstoll, der das Konzert besuchte, dürfte zufrieden gewesen sein.
Mit anhaltendem Beifall reagierte auch das sommerlich gelichtete
Publikum.