Pressespiegel
Orgelmusik zum Advent
Badische Zeitung 21.12.2011
Mit Energie und Feingefühl
Weihnachtliche Orgelklänge mit Martin Schmeding.
EMMENDINGEN. Wenn ein Organist
von Weltformat eines Martin Schmeding am vierten Advent zu einem
Konzert in die evangelische Stadtkirche einlädt, sind die Erwartungen
hoch. So war dieses Orgelrezital einmal ein musikalisches
Weihnachtsgeschenk, zum anderen ein herausragendes künstlerische
Ereignis.
Als Introduktion eine temperamentvoll vorgetragene "Toccata in F, WV
156" von Dietrich Buxtehude. Ein Musterbeispiel jenes phantasievollen
Komponisten der norddeutschen Orgeltradition, die Johann Sebastian Bach
zum Vorbild wurden. Davon zeugen auch dessen frühe Orgelwerke, die mit
kontrapunktischer Fertigkeit ausgearbeiteten Choralverarbeitungen und
Vorspiele, wie "Nun komm der Heiden Heiland".
Voller Energie und Spannung war das "Präludium mit der Fuge G-Dur BWV
541" angelegt, die in seiner gut herausgearbeiteten thematischen
Verdichtung zugleich ihre Strukturen erkennen ließen. In der "Sinfonia
pastorale" aus dem Weihnachtsoratorium, übertragen von Karg-Elert,
kündigt ein gemeinsames Musizieren der Engel und der Hirten das große
Ereignis an. Streicher- und Bläserstimmen im Orgelregister symbolisieren
das Wiegen der Musik.
Ob man Edvard Griegs Musik in die Orgelliteratur einbürgern soll, bleibt
eine Geschmacksfrage. Martin Schmeding hat mit seiner Bearbeitung der
"Holberg–Suite" den Versuch gemacht, diese Huldigungsmusik für den
dänischen Dichter in fünf barocken Satztypen, wie auch eine Melodie aus
den "Lyrischen Stücken", für die Orgel spielbar zu machen. Dies ist ihm
in seiner farbenreichen Interpretation bestens gelungen.
Charles-Marie Widor ist der geniale Symphoniker unter den Orgelmusikern.
Seine romantisch gefärbte Klangsprache ist noch spürbar in der
"Symphonie gotique". Der vierte Satz ist über dem musikalischen Vorwurf
des gregorianischen "Puer natus in Bethlehem" aus der Weihnachtsliturgie
aufgebaut. Mit Feingefühl für die melodischen und charakteristischen
Nuancen, sowie deren Steigerungen, bis zum aufrauschenden Tutti,
vermochte Schmeding die klanglichen Kombinationen auszuloten.
Sein Nachfolger aus Rouen, Marcel Dupré, begründete in Frankreich eine
blühende Orgelkultur. Mit seinen "Variations sur un Noel opus 20", den
Veränderungen über ein altes Weihnachtslied, fand dieses eindrucksvolle
Konzert seinen Abschluss. Hier hatte der Komponist, wie seine Vorgänger
im 18. Jahrhundert, auf altfranzösisches Liedgut zurückgegriffen und in
abwechslungs- und kontrastreichen Variationstechniken das thematische
Material aufbereitet.
Professor Martin Schmeding ist es gelungen, durch sein exzellentes
Spiel, seine komplexe Musikalität und seinen virtuosen Gestus, ein
einmaliges Hörerlebnis zu vermitteln und die großen Möglichkeiten der
Vier-Orgel herrlich zum Klingen zu bringen.