Pressespiegel

Orgelmusik zum Advent

22.12.2011 11:28

 

Badische Zeitung 21.12.2011

 

Mit Energie und Feingefühl

Weihnachtliche Orgelklänge mit Martin Schmeding.

  1. Eifrig beschäftigt: die Füße beim Spielen des Pedalflügels Foto: Privat

 

 

EMMENDINGEN. Wenn ein Organist von Weltformat eines Martin Schmeding am vierten Advent zu einem Konzert in die evangelische Stadtkirche einlädt, sind die Erwartungen hoch. So war dieses Orgelrezital einmal ein musikalisches Weihnachtsgeschenk, zum anderen ein herausragendes künstlerische Ereignis.

Als Introduktion eine temperamentvoll vorgetragene "Toccata in F, WV 156" von Dietrich Buxtehude. Ein Musterbeispiel jenes phantasievollen Komponisten der norddeutschen Orgeltradition, die Johann Sebastian Bach zum Vorbild wurden. Davon zeugen auch dessen frühe Orgelwerke, die mit kontrapunktischer Fertigkeit ausgearbeiteten Choralverarbeitungen und Vorspiele, wie "Nun komm der Heiden Heiland".

Voller Energie und Spannung war das "Präludium mit der Fuge G-Dur BWV 541" angelegt, die in seiner gut herausgearbeiteten thematischen Verdichtung zugleich ihre Strukturen erkennen ließen. In der "Sinfonia pastorale" aus dem Weihnachtsoratorium, übertragen von Karg-Elert, kündigt ein gemeinsames Musizieren der Engel und der Hirten das große Ereignis an. Streicher- und Bläserstimmen im Orgelregister symbolisieren das Wiegen der Musik.

Ob man Edvard Griegs Musik in die Orgelliteratur einbürgern soll, bleibt eine Geschmacksfrage. Martin Schmeding hat mit seiner Bearbeitung der "Holberg–Suite" den Versuch gemacht, diese Huldigungsmusik für den dänischen Dichter in fünf barocken Satztypen, wie auch eine Melodie aus den "Lyrischen Stücken", für die Orgel spielbar zu machen. Dies ist ihm in seiner farbenreichen Interpretation bestens gelungen.

Charles-Marie Widor ist der geniale Symphoniker unter den Orgelmusikern. Seine romantisch gefärbte Klangsprache ist noch spürbar in der "Symphonie gotique". Der vierte Satz ist über dem musikalischen Vorwurf des gregorianischen "Puer natus in Bethlehem" aus der Weihnachtsliturgie aufgebaut. Mit Feingefühl für die melodischen und charakteristischen Nuancen, sowie deren Steigerungen, bis zum aufrauschenden Tutti, vermochte Schmeding die klanglichen Kombinationen auszuloten.

Exzellentes Spiel, komplexe Musikalität


Sein Nachfolger aus Rouen, Marcel Dupré, begründete in Frankreich eine blühende Orgelkultur. Mit seinen "Variations sur un Noel opus 20", den Veränderungen über ein altes Weihnachtslied, fand dieses eindrucksvolle Konzert seinen Abschluss. Hier hatte der Komponist, wie seine Vorgänger im 18. Jahrhundert, auf altfranzösisches Liedgut zurückgegriffen und in abwechslungs- und kontrastreichen Variationstechniken das thematische Material aufbereitet.

Professor Martin Schmeding ist es gelungen, durch sein exzellentes Spiel, seine komplexe Musikalität und seinen virtuosen Gestus, ein einmaliges Hörerlebnis zu vermitteln und die großen Möglichkeiten der Vier-Orgel herrlich zum Klingen zu bringen.


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