Pressespiegel

Badische Zeitung vom 27.12.2011

 

Das Licht der Menschlichkeit

In der evangelischen Stadtkirche sprachen der Imam der muslimischen Gemeinde und der jüdische Rabbiner ein Grußwort.

  1. Zeichen der Gemeinschaft: Imam Ahmet Akkus, Rabbiner Moshe Navon und Pfarrer Georg Metzger (von links) Emmendinger in der Stadtkirche. Foto: Yüksel Atmaca

EMMENDINGEN. Mit Krippenspielen und feierlichen Gottesdiensten erinnerten auch in Emmendingen die Christen beider Konfessionen in den meist überfüllten Kirchen an die Geburt Jesu. Zu einem besonderen Zeichen der Verbundenheit über die Grenzen der Religionen hinweg kam es an Heiligabend in der evangelischen Stadtkirche. Der Imam der türkisch-islamischen Gemeinde und der Rabbiner der jüdischen Gemeinde sprachen ein Grußwort und nahmen von Pfarrer Metzger das Friedenslicht aus Bethlehem in Empfang.

"Ein unerwartetes, grandioses Weihnachtsgeschenk für uns alle" sei diese Geste, betonte Metzger in der Christvesper an Heiligabend vor rund 1200 Gläubigen. Die Anwesenheit eines Rabbiners bei einem Weihnachtsgottesdienst sei "wohl deutschland-, vielleicht sogar weltweit ein ganz außergewöhnliches Ereignis und ein wichtiger sichtbarer Schritt der Religionen auf dem Weh zueinander". Zum Zeichen der besonderen Verbundenheit überreichte Metzger dem Imam Ahmet Akkus und dem Rabbiner Mosche Navon das Friedenslicht von Bethlehem, das die Pfadfinder vom Stamm Albert Schweizer zuvor in die abgedunkelte Kirche getragen hatten. Das Symbol für Frieden, Wärme und Mitgefühl war am 14. Dezember in Bethlehem entzündet und über viele Stationen auch nach Freiburg transportiert worden, wo es die Pfadfinder im Aussendungsgottesdienst in Empfang nahmen.Rabbiner Moshe Navon versprach, mit diesem Licht die fünfte Kerze des Chanukka-Festes zu entzünden, das am selben Abend in der Synagoge gefeiert wurde. "Jeder von uns hat die einzigartige Möglichkeit, das Licht der Menschlichkeit zu bringen, das die Dunkelheit zerstreut, die unser Leben verfinstert", sagte der Rabbi in seinem Grußwort. Die Anwesenheit eines jüdischen Rabbiners auf dem christlichen Weihnachtsfest ist für Moshe Navon "ganz logisch, da Sie die Geburt eines jüdischen Kindes feiern, der im jüdischen Land, im jüdischen Volk geboren wurde". Seit 1716 seien hier in Emmendingen auch jüdische Kinder geboren worden, hätten zwei Schritte von der Kirche, in der Alten Synagoge auf dem Schlossplatz, bei den jüdischen Rabbinern die Tora gelernt, wie die christlichen Kinder nebenan die Worte der Bibel. "Ich wünsche, dass hier in Emmendingen auch weiterhin sowohl christliche als auch jüdische Kinder geboren werden", damit jeder von ihnen die Worte des lebendigen Gottes im Rahmen seiner eigenen Tradition lernen könne – "die Worte, die das Leben und den Frieden bringen, die nicht durch die Feindschaft der Kindheit verdunkelt sind". Als Geschenk überreichte Navon an Pfarrer Georg Metzger koscheren Wein aus Galiläa, für den Imam gab es koscheren Traubensaft. Iman Ahmet Akkus rief in seinem Grußwort dazu auf, mit den gemeinsamen Wertvorstellungen auch die Unterschiede in den Religionen als Reichtum anzusehen und tolerant zu sein. Für den türkisch-islamischen Kulturverein überbrachte Akkus "die besten Wünsche zum Weihnachtsfest".

In dem von der Kantorei unter Jörn Bartels eindrucksvoll musikalisch gestalteten Gottesdienst ging Pfarrer Metzger in seiner Predigt auch auf die Werbebotschaft eines "Großvermarkters" ein, der behauptete, Weihnachten werde unter dem Baum entschieden – eine "geradezu zynische und verantwortungslose Werbung angesichts der zunehmenden Verarmung in vielen Familien bei uns in Deutschland". Weihnachten sei bereits entschieden worden: in der Krippe, "für uns, durch die Geburt unseres Heilands".

 


Zurück

Urheberrechtlich geschütztes Werk © 2009 - Impressum