Pressespiegel

Relief in der Stadtkirche

25.01.2012 09:02

 

Aus der Badischen Zeitung vom 25.1.2012

 

Hag, Hacho und die Ruine

BZ-SERIE zur Geschichte in und um Emmendingen: Woher hat die Burg nur ihren Namen?.

  1. Relief des Markgrafen Karl II. in der evangelischen Stadtkirche. Er schrieb seinen Untertanen den Protestantismus vor: „Cuius regio, eius religio.“ Foto: Klaus Fehrenbach

 

EMMENDINGEN. Wer sich für die Geschichte der Region interessiert, in der sie oder er lebt, stößt häufig auf "Geschichten". Diese Serie soll dazu beitragen, einige davon kennen zu lernen, die eine von den andern zu unterscheiden und dabei etwas über die Geschichte zu erfahren. Die nunmehr achte Folge dreht sich um Ritter Hacho und den Namen Hachberg.

Im Chor der evangelischen Stadtkirche hängt eine schöne Steintafel von etwa 1553. Sie zeigt den "hochherzigen" Markgrafen Karl (II., 1529-1577). Auf ihr erzählt die "Festung Hachberg" in Ich-Form, ein Ritter Hacho habe sie etwa 700(!) Jahre zuvor, zur Zeit Karls des Großen, erbaut – besser wohl erbauen lassen − und ihr seinen Namen gegeben.

Nun ist eine Burg mit dem Namen Ha(c)hberg erstmals in Zusammenhang mit der Gründung des Klosters Tennenbach genannt, die 1161 "in castro Hahberg" besiegelt worden sein soll. Das Pergament, auf dem diese Nachricht steht, stammt aber erst aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Können wir sicher sein, dass die Burg noch um 1250 genauso genannt wurde wie 90 Jahre zuvor? Schließlich hat sich der Name im Laufe der Zeit mindestens dreimal geändert: von "Hahberc" erst zu "Hachberg", dann über den häufigen Begriff "Hochberg" zum langweiligen "Hochburg", was ein Typenbegriff im Gegensatz zur "Wasserburg" ist. Auch unser Stadthistoriker Diakonus Maurer (in: Emmendingen, 1912, S. 50) hat diese Verflachung des Namens bedauert. Einigermaßen verlässlich taucht der Name "Hachberg" um 1231 auf, als sich erstmals ein Spross der Markgrafen von Baden nach Berg und/oder Burg benennt.Neben unserem Ritter Hacho gibt es zahlreiche andere Vermutungen zur Herkunft des Namens:

Aus "habs" = Habicht könnte "hach" geworden sein, also : "Berg der Habichte".

Eine "Hage" ist eine "dem Wind ausgesetzte Landscheide". Das passt zum Hornwald.

Die Stadt Hachenburg (früher unter anderem auch Hachenberg genannt) leitet ihren Namen vom mittelhochdeutschen Wort "hagen" ab, was Dornbusch bedeuten kann, aber auch "einen Zaun", einen von einem Dornverhau umhegten Ort benennt. Unser Hacho wird dort nicht bemüht.
Ein "Hag" ist auch heute noch in verschiedenen Dialekten ein Zaun, eine Hecke oder eine ähnliche Einfriedung zur Abgrenzung.

Schließlich sind "Hag, Hage, Hagen, Hach" Begriffe für einen (wilden) Stier. Der Hachberg wäre also der Berg, wo die Stiere weiden, was bei der Burgruine Hachberg heute noch der Falle ist.

Schließlich müssen wir noch nachfragen, wovon der Weiler "Hach" südlich von Müllheim seinen Namen herleitet.

Was ist die von Ihnen favorisierte Erklärung? Egal. Auf jeden Fall lohnt es sich, die Sandsteintafel an der inneren Südwand des Kirchenchores einmal wieder zu betrachten. Nehmen Sie ein Fernglas mit, denn obwohl die Tafel eines der schönsten, ältesten und originellsten Kunstwerke in unserer Stadt ist, hat man sie, nachdem sie 1749 im Bauschutt der Ruine Hachberg gefunden und vom bedeutenden Rokokobildhauer Christian Wentzinger renoviert wurde, so hoch und so dunkel aufgehängt, dass es nicht leicht ist, sie zu bewundern.

Den Text der Tafel müssen wir ohnehin – lateinisch und deutsch − beispielsweise in der "Geschichte der Stadt Emmendingen" (Band 1, S. 138 folgende) nachlesen. Seit langem besteht ein Wunsch, die Tafel – zum Beispiel mit einem Münzautomaten – auszuleuchten und ein Schild mit dem Text gut leserlich in Augenhöhe anzubringen.

Eigentlich hat das Werk mit seinem jetzigen Standort wenig zu tun, außer dass auch dieses hier − wie viele andere Bilder an und in Kirchen − an einen Mächtigen erinnert, der den von ihm beherrschten Menschen vorgeschrieben hat, was und wie sie glauben sollten. Ein Besuch auf der Ruine der Burg Hachberg lohnt ohnehin immer. Dort oben lässt sich gut weiter über die Herkunft des Namens nachsinnen oder von Rolf Brinkmann oder den anderen Burgführern erzählen lassen.


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