Pressespiegel

Badische Zeitung vom 13.12.2011

Staunen über das Weihnachtswunder

Die Kantorei überzeugt in der voll besetzten Stadtkirche mit einer gelungenen Aufführung des Bach’schen Weihnachtsoratoriums.

  1. Bezirkskantor Jörn Bartels dirigierte die Evangelische Kantorei und das Orchester Furioso. Foto: HILDEGARD KARIG

 

EMMENDINGEN. Ermüdungserscheinungen? Überdruss? Langeweile? Nein mitnichten, es gehört einfach in diese Zeit, wie der so gute Besuch der Aufführung des Weihnachtsoratoriums am vergangenen Sonntag in der Evangelischen Stadtkirche zeigte. "Jauchzet, frohlocket!" Mit diesem ersten Chor, mit den Pauken und Trompeten stimmt Johann Sebastian Bach die Grundtonart seines Oratoriums an: Freude, barocker Jubel, Staunen über das Weihnachtswunder, besinnliche Arien und festlich - feierliche Chöre und Choräle.

Und mit den ersten Takten gelingt diesem Werk jedes Jahr aufs Neue, in ganz besonderer Weise seine solitäre Stellung unter allen möglichen Weihnachtsmusiken zu behaupten. Die unzähligen Aufführungen, die dieses Werk erfahren hat, und die vielen Bearbeitungen und Adaptionen bis hin zur Kaufhausberieselung von einzelnen Nummern, können seiner Schönheit und Faszination nichts anhaben.

Die Aufführung der Evangelischen Kantorei am dritten Adventsonntag konnte durchaus neben vielen guten Wiedergaben bestehen. Breite Behäbigkeit war nicht Sache von Bezirkskantor Jörn Bartels. Die lebhaft gewählten Tempi gleich mitreißend im ersten Chor und die Beschwingtheit im Dirigat wirkten von sich jeglicher gefühligen Überladung entgegen. Dennoch ließ er die innige, warme Tonsprache Bachs zur Geltung kommen ohne sie zu überhöhen.

Um so mehr, als die Konzertmeisterin Petra Müllejans die interpretatorische Auffassung Jörn Bartels mittrug. Durch ihre lebendige Musizierweise schien sie den gesamten Klangkörper, Chor und Instrumente, zu inspirieren. Die Punktierungen in der Sinfonia zu Beginn des zweiten Teils waren mitreißend kurz genommen, die freudige Leichtigkeit zum Greifen. Die mit historischen Instrumenten schlanke Besetzung des Orchesters "Furioso" gab einer Transparenz Vorschub, die ihrerseits zu der Schwerelosigkeit beitrug. Lediglich die Pauke geriet stellenweise zu sehr in den Vordergrund, in der Begleitung der Rezitative auch die basso continuo – Instrumente.

Die Kantorei, in den hellen Stimmen durch die Kinderkantorei angereichert, agierte selbstbewusst und merklich differenzierend. Sympathisch für die Kantorei, den "Nachwuchs" derart fordernd und fördernd mit einzubeziehen. Ein Chor, der in einer Textzeile die Worte "voller Freud ohne Zeit" dermaßen kontrastreich wiedergeben kann, singt nicht nur, sondern vermag zu gestalten.

In den Chorälen unterschied der Chor sehr genau, ob die einzelnen Zeilen plakativ, unterbrochen von instrumentalen Einschüben, hinzustellen oder in langen Bögen zeilenübergreifend zu singen waren. Das Solistenquartett entsprach in den Solopartien optimal dem Gesamtzugriff des Werkes. Anja Bittner (Sopran), Barbara Ostertag (Alt), Clemens Flämig (Tenor), Manfred Plomer (Bass) gestalteten authentisch im musikalischen Ausdruck ohne jede Überladung und in der Qualität der Stimmen ebenbürtig. Herausgehoben sei die Wiedergabe der Evangelistenrolle durch Clemens Flämig. Er vermochte den Part so ausdrucksvoll und lebendig zu singen, dass er für die altbekannten Texte Neugierde und Aufmerksamkeit weckte.

Eine kompetente, emphatische Befassung mit Bachs Musiksprache, handwerklich meisterhaftes Spiel und Gesang, ein konzentrierter, ausgewogener Chor boten Grundlage für eine Wiedergabe der Teile I bis III des Weihnachtsoratoriums, die Jörn Bartels als einen Kirchenmusiker zeigte, der auch die mystischen Aspekte Bachscher Musik (Albert Schweizer) zu erspüren und offenzulegen wusste. Damit verlieh er dieser dritten Emmendinger Aufführung unter seiner Leitung (2005, 2008) über alle weihnachtliche Freude hinausweisend ein weiteres mögliches Moment. Die Aufführung verdiente zu recht den begeisterten Applaus!


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