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Christvesper 2011

Liebe Gemeinde!

 

Wenn sie damit nicht zuweilen absolut niveaulos bis hin zu zutiefst peinlich wäre, müssten wir der Werbung eigentlich dankbar sein dafür, dass sie sich immer wieder als Stichwortgeberin für so manche Predigt anbietet.

Jüngst der Gipfel der Geschmacklosigkeit:

Da will uns ein Großvermarkter unter dem Motto „Ich bin doch nicht blöd“ einreden, dass „Weihnachten unter dem Baum entschieden wird“!

Also dass der Wert von Weihnachten sich danach bemisst, was an Geschenken unter dem Weihnachtsbaum liegt.

Eine geradezu zynische Werbung angesichts der zunehmenden Verarmung in vielen Familien bei uns in Deutschland.

Zugleich auch eine verantwortungslose Werbung, weil sie gerade Menschen, die kaum das Geld für das Nötigste zum Leben haben, dazu verführt oder zumindest „moralisch“ dazu drängt, das wenige, ihnen zur Verfügung stehende Geld in ihre Produkte zu investieren, damit das Weihnachtsfest für sie erfolgreich werden kann.

Und eine die Christenheit in ihrem Glauben verletzende Werbung, weil ihr aufgrund ihrer sogar noch offen zur Schau getragenen Geldgier jeglicher Respekt fehlt vor den religiösen Gefühlen von immerhin knapp 2/3 unserer bundesdeutschen Bevölkerung, die laut Statistik einer der christlichen Konfessionen angehören. Eigentlich schade, dass sich nicht mehr von uns ChristInnen gegen solch eine Werbung öffentlich zur Wehr gesetzt haben.

„Weihnachten wird unter dem Baum entschieden.“

Ich kann als Christ dazu eigentlich nicht mehr sagen als:

Wie kann man nur so blöd sein?!

Denn: „Weihnachten wird nicht entschieden“: „Weihnachten wurde bereits entschieden - in der Krippe.“

Das Entscheidende von Weihnachten geschieht gar nicht bei uns oder durch uns, sondern das ist bereits geschehen – mit der Geburt jenes Kindes in der Krippe, für dessen Bedeutung für die Menschheit Martin Luther das Wort „Heiland“ geprägt hat.

„Euch ist heute der Heiland geboren.“

Damals, durch ihn hat sich Weihnachten entschieden – für uns.

Der Heiland – also der, der Heil bringt und heil macht.

Wodurch hat Jesus denn damals Heil gebracht und heil gemacht?

Durch seine Heilsbotschaft, die er den Menschen gepredigt und die er gelebt und so gleichsam verkörpert hat und die die Menschen, denen er begegnet ist, als für sie heilsam erlebt haben. Und worin bestand Jesu Heilsbotschaft? Worin hat er sich unterschieden von den Lehrmeinungen seiner Zeit? Was war bei ihm so radikal oder man könnte auch sagen so revolutionär anders oder neu?

Für mich war es die Art und Weise, wie er von der Liebe Gottes redet. Eben nicht so, wie es die Menschen damals gewohnt waren im Stile eines Vaters, der zu seinem ungehorsamen Kind sagt: „Weißt du, wenn du so bist, dann kann der Papa dich nicht mehr lieb haben.“ Eine Erziehung durch Androhung von Liebesentzug – so nach dem Motto: Wenn du nicht so bist, wie Gott dich will, dann brauchst du dich nicht zu wundern, wenn er von dir nichts wissen will.

Die Heilsbotschaft Jesu bestand darin, den Menschen gerade das Gegenteil davon zu bezeugen, nämlich: Gott hat dich lieb, obwohl du so bist, wie du bist. Er hat dich lieb mit deinen Höhen und Tiefen, mit deinem Licht und Schatten, mit deinem Gelingen und Versagen. Egal, was war oder ist oder auch sein wird, du darfst dir der Liebe Gottes sicher sein.

So hat Jesus Menschen Mut gemacht zum Leben, so hat er sie getröstet, wenn sie verzagt waren, so hat er sie wieder aufgerichtet, wenn sie keinen Schritt mehr wagten.

Gottes Blick auf uns Menschen, so Jesus, ist eben nicht defizitorientiert in dem Sinne, dass er nur darauf schaut, was bei uns alles noch zu kritisieren ist – wie viele von uns sind noch mit der kindlichen Vorstellung aufgewachsen, dass Gott im Himmel ein großes Buch hat, in dem alles aufgeschrieben wird, was wir falsch gemacht haben! Nein, nicht defizitorientiert schaut Gott uns an, so Jesus, sondern liebevoll, verständnisvoll, gnädig, wohltuend.

Und so sollen wir dann eben auch unsere Mitmenschen anschauen: Nicht defizitorientiert – Fehler haben wir alle und entdecken wir auch sehr schnell aneinander! – sondern liebevoll, mit der Bereitschaft, den anderen ernst- und anzunehmen und bemüht, ihn zu verstehen, auch und gerade in seinen Ängsten, Unsicherheiten, Schwächen. Dass für ihn die Begegnung mit uns zu einer für ihn heilsamen, wohltuenden, ermutigenden Begegnung wird.

Wie sagte es der kleine Prinz: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Lasst uns füreinander mehr die Augen unseres Herzens gebrauchen. So werden wir die Welt verändern, im Kleinen genauso wie im Großen.

Aber nochmals:

Weihnachten wir ganz gewiss nicht unterm Baum entschieden. Weihnachten wurde in der Krippe entschieden, für uns, durch die Geburt unseres Heilands, der uns immer neu dazu ermutigt, der Liebe Gottes zu trauen, ihr auch etwas zuzutrauen, uns ihr zu öffnen und sie weiterzugeben an unsere Mitmenschen, die dieser „Nächstenliebe“ genauso bedürfen wie wir selbst.


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